Langweilig?!

Gedanken zu Trinitatis

1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Sonntag nach Trinitatis, 3. Sonntag nach Trinitatis – ziemlich eintönig kommen die Sonntage nach Pfingsten daher. Fast ein halbes Jahr, in manchen Jahren sogar bis zu einem 24. Sonntag nach Trinitatis. Nach Weihnachten, Ostern und Pfingsten scheint in der Kirche der Alltag einzukehren, schlicht und manchmal eben etwas langweilig: 4. Sonntag nach Trinitatis, 5. Sonntag nach Trinitatis. Das ganz normale Leben halt. 6. Sonntag nach Trinitatis. 7. Sonntag nach Trinitatis. Und man kann schon fragen: Ist denen eigentlich nichts Besseres eingefallen?! Aber vielleicht liegt gerade darin auch ein besonders Geheimnis, die längste Zeit im Kirchenjahr an einem kleinen Fest mitten in den Pfingstferien auszurichten - an Trinitatis, dem Fest der Dreieinigkeit!

Für viele ist es ein wunderbarer Dreiklang, der wie von selbst über die Lippen kommt: Gott-Vater, Sohn und Heiliger Geist. Für andere dagegen nur ein schriller Misston: „Wie gehen die drei nur zusammen? Drei in eins? Das haben sich bloß wieder Theologen ausgedacht! Was hat das nur mit mir zu tun?!“  Aber so rätselhaft das Ganze ist, so klein und unscheinbar dieses Fest auch daherkommt – es ist Dreh- und Angelpunkt nicht nur des Jahres, sondern auch des ganzes Glaubens. Es beschreibt einen Gott, der so grandios ist, dass er sich auf ganz verschiedene Weisen auf den Weg macht, allein mit dem Ziel, uns nah zu sein.

Wie ein einziger Schauspieler durch verschiedene Masken sprechen kann, so kann es der eine Gott auch, sagten sie sich in der Alten Kirche. Und sie sprachen von drei Personen, was lateinisch wirklich „Maske“ heißt: „Etwas, bei dem es durchtönt.“  (per-sonare)

Heute fällt es uns vielleicht leichter, von verschiedenen „Orten“ zu sprechen: Ein Gott, der über uns ist, mächtig, nicht zu greifen. Aber auch ein Gott, der mit uns ist: In einem Menschen, in dem er trotzdem fassbar wird, ein Bruder, der unser Leben teilt und versteht. Und schließlich ein Gott in uns, als Heiliger Geist, als Kraft und Energie, die uns lebendig macht.

Über uns, mit uns und in uns geht Gott seinen Weg durch die Zeit. Damit ist er das großes Geheimnis der Welt: fern und nah, groß und klein, mächtig, aber zugleich so demütig, dass jede und jeder von uns eine Wohnung für ihn ist.  In diesen Gegensätzen umfasst Gott die ganze Welt und damit auch unser ganzes Leben bis in unser Innerstes hinein mit seinen Höhen und Tiefen.

Es sind Würde, Nähe, Geborgenheit und Ansehen vor Gott,  die wir auf diese Weise erfahren – und das auch im ganz normalen Alltag. Von Trinitatis herzukommen, wie diese vielen Sonntage, die vor uns liegen, heißt also: Eine echte Basis für das Leben zu haben, die hält und trägt. Auch dann, wenn das Leben einfach nur so dahinfließt: 8. Sonntag nach Trinitatis, 9. Sonntag nach Trinitatis. Gott ist uns nah – über uns, mit uns und in uns.

Mit herzlichen Grüßen,

Pfarrer Karsten Schaller

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